Friedhof der Kuscheltiere – Stephen King im Kino

Der Horrorautor Stephen King ist Meister der Bücher-Bestsellerlisten. Verfilmungen von Stephen King-Geschichten tun sich dagegen beim Kinozuschauer schwer. Es gibt in der Masse der King-Verfilmungen ein paar Perlen, aber leider auch viel Schrott. Ab 3. April kommt es mit der Neuverfilmung von „Friedhof der Kuscheltiere“ zu einem neuen Versuch.


Die Verfilmungen von Stephen King-Romanen nehmen gerade wieder Fahrt auf. 28 neue Filme und Serien wird es in den kommenden Jahren geben, die auf Geschichten des erfolgreichsten Horrorschriftstellers basieren. In jüngster Vergangenheit erwies sich die Neuverfilmung von „Es“ als Kassenschlager an den Kinokassen. Teil 2 ist bereits angekündigt. Jetzt können wir uns auf das Remake von „Friedhof der Kuscheltiere“ gefasst machen. In der Scala-Reihe Männersache zeigt das Kino am Mittwoch, den 3. April um 20:30 Uhr eine Preview von „Friedhof der Kuscheltiere“. Für jeden Besucher gibt es ein Freibier gratis zum Eintritt dazu – ein Kuscheltier muss allerdings nicht zwangsläufig mitgebracht werden.


Was ist eigentlich die beste Stephen King Verfilmung?
Einstmals war ich ein großer King-Romane-Fan. Aber bei den Verfilmungen herrschte meist große Enttäuschung. Die Filme waren meist Durchschnitt und brachten nicht den Horror der Bücher in meinen Kopf. Wenn ich ehrlich bin, gab es für mich persönlich nur drei wirklich gute King-Verfilmungen. Und diese sind: Shining (1980), Dead Zone (1983) und Carrie (1976).

Shining – der moderne Horror
Natürlich ist Shining von Regiemeister Stanley Kubrick mein Liebings-King. Hier stimmt einfach alles, wenngleich in der Europa-Fassung eine halbe Stunde fehlt. Die Regiearbeit von Kubrick ist der Hammer: Schauspieler, Musik, Kamera, Licht, Set, Drehbuch – alles passt zusammen und dieser Film erzeugte bei mir wirklich Angst, auch wenn Autor Stephen King mit dieser Verfilmung nicht einverstanden war. Schauspielerin Shelley Duvall wurde von Kubrick fast in den Wahnsinn getrieben und dieser Terror-Film zeigt diese Pein schlechthin. Ab und zu ertappe ich mich dabei, dass ich auch „Here’s Johnny“ rufe.

Dead Zone mit Christopher Walken
Das Plakat von Dead Zone (1983) zeigte Christopher Walken mit dem Gewehr. Buch und Film lagen nahe beieinander und die Regie von Terrorpapst David Cronenberg ist im Stil seiner kalten kanadischen Filme: Reduziert, kalt, ruhig und voller Emotionen. Eine Gabe des Hellsehens ist ein Fluch – das kam in dieser unaufgeregten Verfilmung genial herüber. Christopher Walken spielt sich mit diesem Film in die Liga meiner Lieblingsschauspieler.

Carrie – Horror der Siebziger Jahre
Carrie (1976) von Brian de Palma war ein tolles Beispiel des Horrors der siebziger Jahre. De Palma, der eigentlich ein Hitchcock für Arme war, zitierte immer wieder sein Idol. Anspielungen auf die „Bates High School“, die am Ende in Trümmer aufgeht, sind absichtlich. Schauspieler wie John Travolta und Sissy Spacek spielten in diesem ersten King-Roman aus dem Jahr 1974. Es gab schöne Filmeffekte wie die geteilte Leinwand und eine bezaubernde Piper Laurie spielte alle an die Wand. Schaurig schön war auch der Schockeffekt am Ende des Films, der später wieder bei American Werwolf aufgenommen wurde.

Die alte Version von Friedhof der Kuscheltiere
Die erste Verfilmung von Friedhof der Kuscheltiere stammt aus dem Jahre 1989 von der Regisseurin Mary Lambert. Der Film war eine der umstrittenen King-Verfilmungen. Das Beste an dem Film war für mich eigentlich der Anfang, der Titelsong Pet Sematary der legendären Ramones mit dem starken Refrain „I don’t want to be buried in a pet cemetery –  I don’t want to live my life again“. Der Film war blutig, sehr blutig und hatte immer wieder Probleme mit den Behörden. Die Darstellung der Brutalität war vielen einfach zu hart. Bei der Neuverfilmung dürfte es solche Probleme nicht mehr geben, da achtet Hollywood schon auf den Massengeschmack, damit der Film ein kommerzieller Erfolg wird.

Buch und Film - die Werbung geht Hand in Hand.
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Und nun die neue Version der Kuscheltiere
Der Slogan „Manchmal ist der Tod besser“ deutet schon viel an. Mal sehen, ob der Film das hält, was er verspricht. Grundsätzlich bin ich bei Neuverfilmungen eher skeptisch. Hollywood will mit alten Stoffen bei einem neuen, jugendlichen Publikum absahnen. Manche Neuverfilmungen im Horrorgenre gingen in die Hose, denke man nur an Carrie, Texas Chain Saw Massacre oder Omen. Aber dass Stoffe wieder aufgelegt werden, ist nichts neues. Der Dracula-Stoff oder der Frankenstein-Mythos wurde immer wieder neu verfilmt und interpretiert.
Bei Friedhof der Kuscheltiere ist mir jetzt erst bewusst geworden, dass der Film im Original einen Rechtschreibfehler hat, der im Buch und in den beiden Verfilmungen auftritt. Im Original heißt der Stoff: „Pet Sematary“ – aber eigentlich übersetzt man Friedhof mit „cemetery“. Das S statt des C und das A statt des E schlichen sich ein, weil ein Kind im Buch das Wort Friedhof falsch geschrieben hat. Komisch, dass es mir jetzt erst auffällt.
Bei der Neuverfilmung führte das Duo Kevin Kölsch und Dennis Widmyer Regie. Es ist ihre erste große Hollywood-Regie, nachdem sie sich mit kleinen harten Horrorfilmen erste Sporen verdienten. Sie sehen Kuscheltiere als „häusliches Drama über Familien, die auseinanderfallen“ und haben damit den Horror von Stephen King erfasst. Nicht das böse Monster aus fernen Ländern ist der Horror, sondern der Zerfall von Vertrautem. Die beiden Regisseure nennen Stanley Kubricks Shining, William Friedkins Exorzist und Nicolas Roegs Wenn die Gondeln Trauer tragen als ihre Vorbilder. Da ist die Latte schon sehr hoch gehängt. Der Verlust innerhalb der Familie kann dramatisch sein – und damit setzt sich „Friedhof der Kuscheltiere“ auseinander.
Was man vorab hört, hat der Film eine Liebe zum Detail. Die Gräber auf dem Tierfriedhof sind aufwändig dekoriert. Wie der Verleih mitteilt, haben die Filmcrew-Mitglieder Fotografien eigener verstorbener Haustiere angebracht. Achtet bitte auf die Kreuze und Inschriften – da gibt es einige Easter-Eggs für Stephen King-Fans – also genau hinschauen.
Ob Stephen King dieses Mal mit der Verfilmung zufrieden ist, weiß man noch nicht. Bei der Verfilmung von 1989 schrieb er das Drehbuch. Jetzt haben die beiden Regisseure massiv in die Geschichte eingegriffen und sie verändert. Wie man hört, soll der Filmplot in einigen Szenen massiv von der ursprünglichen Geschichte abweichen. Da sind wir mal gespannt.

Kurzinhalt von Friedhof der Kuscheltiere
Kurz der Inhalt ohne Spoiler: Louis Creed zieht mit seiner Frau und seinen beiden kleinen Kindern in ein Haus im tiefsten Maine, das sich in der Nähe eines verwunschenen Haustierfriedhofs befindet. Dieser ist jedoch eine alte indianische Ruhestätte und verfügt über die Macht, Tote zurück ins Leben zu rufen. Die Zurückgerufenen erweisen sich als bösartig und mordlüstern.

Auf Wiedersehen und Film ab im Scala,
Euer Matthias vom Scala-Kinematograph

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