Pika, Pika, Pika – Schlachtruf der Pokémon-Generation

Die Älteren unter euch erinnern sich vielleicht an die Einführung des Gameboys vor 30 Jahren. Damals begann der Siegeszug der mobilen Konsole. Und damit zog eine Figur in unsere Kinderzimmer ein: Pikachu, der Star unter den Pokémon. Nach 21 Animationsfilmen kommt jetzt eine animierte Realverfilmung in die Kinos. Das Scala zeigt Pokémon: Meisterdetektiv Pikachu.

Die Trailer sehen interessant aus. Im Grunde erwarte ich immer, dass Howard The Duck durchs Bild spaziert. Pokémon: Meisterdetektiv Pikachu basiert auf dem Spiel von 2016, das für das Nintendo 3DS entwickelt wurde. Die Animationen des Films sind sehenswert. Die Gesichtsausdrücke von Schauspieler Ryan Reynolds wurden über Motion Capture auf Pikachu übertragen. Die Frage stellt sich: Ist es jetzt ein Kinderfilm für Erwachsene oder ein Erwachsenenfilm für Kinder? Regie führte Rob Letterman, der bei Animationsfilm Monsters vs. Aliens schon dabei war. Und der Soundtrack kommt von Henry Jackman. Er stammt aus der Schmiede von Hans Zimmer, dessen Musik ich bis auf wenige Ausnahmen persönlich überhaupt nicht mag. Von Jackman mag ich die Scores zu Kingsman: The Secret Service und der Nachfolger Kingsman: The Golden Circle sowie den Games-Soundtracks zu Uncharted 4 und 5.

Der Kurzinhalt von Pokémon: Meisterdetektiv Pikachu
Der Vater von Tim (Justice Smith), Harry Goodman, ist auf mysteriöse Weise verschwunden und wird seither vermisst. Doch Tim kann nicht abwarten, bis sein Vater wiederkommt. Er muss herausfinden, was mit ihm passiert ist. Zur Unterstützung begleitet ihn Harrys ehemaliger Pokémon-Partner Detective Pikachu (Stimme im Original: Ryan Reynolds), ein urkomisch kluger, anbetungswürdiger Super-Detektiv, der selbst für sich selbst ein Rätsel ist. Als Tim und Pikachu feststellen, dass sie in der Lage sind, miteinander kommunizieren zu können, unternehmen sie ein spannendes Abenteuer, um das vertrackte Mysterium aufzuklären. In den neonbeleuchteten Straßen der Metropole Ryme City, in der Menschen und Pokémon in einer hyperrealistischen Live-Action-Welt zusammenleben, stoßen sie auf Hinweise, wonach die friedliche Koexistenz zwischen Mensch und Pokémon zerstört werden könnte und das ganze Pokémon-Universum in Gefahr gerät.

21 Mal Pokémon auf der Leinwand
Pokémon im Kino sind als Zeichentrickfilm wahre Kassenschlager. Seit 1998 kommt jährlich ein neuer Film in die japanischen Kinos. Im Januar 2000 kam der erste Film in die deutschen Kinos und räumte ab. Er war der sechsterfolgreichste Film des Jahres. Der erste Pokémon-Film gehört zu den erfolgreichsten Animefilmen aller Zeiten und spielte weltweit 163,64 Millionen Dollar ein. Bis heute wurden 21 Zeichentrickfilme produziert. Jetzt kommt die erste Realverfilmung und wollen wir hoffen, dass die Fans Gefallen daran finden. Am Merchandising kann es nicht liegen. Es gibt Pokémon zu Hauf. Nicht zuletzt war Pokémon Go ein absoluter Renner als Smartphone-App zu seiner Zeit.

Das Spiel zum Film
In der Vergangenheit waren wir Film als Leitmedium gewöhnt. Erst kommt der Film, dann kommt das Spiel. Damit haben Hollywood und die Filmindustrie gute Erfahrungen gemacht. Star Wars-Schöpfer George Lucas kann ein Lied davon singen, wie sehr es in seiner Kasse geklingelt hat. Die Symbiose Film-Spiel passt einfach, obwohl so mache Versoftung eines Film furchtbar schief ging. Wir denken nur mit Grausen an das Spiel zu ET der Außerirdische auf dem Atari 2600 von 1982. Das Spiel wurde in einer Müllkippe in New Mexiko vergraben und erst 2014 wieder ausgegraben. Was macht den Reiz der Versoftungen von Filmen aus? Es ist sicherlich die Identifikation: Der Gamer schlüpft in die Rolle der Filmfigur. Zudem wird der Film neu verarbeitet: Die Handlung des Films wird nochmals erlebt bzw. mit neuen Abenteuern angereichert. Der Brand des Films wird auf andere Medien verstärkt. Und natürlich: Hollywood kommt ins Kinderzimmer: Das Spiel wird in den eigenen vier Wänden am heimischen Rechner gespielt.

Neue Wege mit Tron und Wargames
Im Jahre 1982 passierte etwas Besonderes auf dem amerikanischen Filmmarkt. Die Disney-Studios veröffentlichten den Film Tron. Ein Mensch wird zu einer Spielfigur in einem Computer. Obwohl der Film an den Kinokassen floppte, war er für die Branche wegweisend. Hollywood entdeckte den Computernerd als Zielgruppe. Nerds kennen vielleicht noch die im realen IPv4-Adressraum ungültige IP-Adresse 284.345.42.283. Das war die Rechneradresse in Wargames von John Badham. Der Film spielt etwa Anfang bis Mitte der 1980er Jahre während des Kalten Krieges. Zu Beginn des Films wird durch die strategischen Streitkräfte ein sowjetischer Angriff auf die Vereinigten Staaten simuliert. Hacker Teenager David L. Lightman hackt sich ins System und spielt thermonuklearen Krieg.

Gameboy und Mario
Mit dem Gameboy vor 30 Jahren kam das mobile Gaming. Mit dem Gameboy kamen Mario und Pokémon. Mit über 295 Millionen verkauften Spielen ist Mario nicht nur die erfolgreichste Nintendo-Reihe, sondern die bisher erfolgreichste Videospielreihe überhaupt. Ferner gilt Mario als bekannteste Videospielfigur der Welt. 2005 wurde er mit einem Stern auf dem Walk of Fame geehrt. Was liegt denn näher, als die Popularität zu barer Münze machen. Es kam 1993 zum Leinwandauftritt in Super Mario Bros. Trotz prominenter Schauspieler wie Bob Hoskins als Mario und Dennis Hopper als König Koopa floppte die Fantasy-Actionkomödie. Der Grund für den Misserfolg ist die fehlende Nähe zur Vorlage. Da das eher düstere Setting des Films nichts mit der bunten Cartoon-Welt der Mario-Spiele gemein hat, wurden mit Mario-Fans und jüngeren Jugendlichen zwei potentiell wichtige Zielgruppen verfehlt.

Nach Humor kam die Action
Hollywood probierte etwas anderes und hoffte auf Science Fiction. Wing Commander ist ein amerikanischer Science-Fiction-Film aus dem Jahre 1999, der auf der gleichnamigen Computerspiel-Serie basiert. Regie führte Chris Roberts, der auch die Spielserie entwickelte. Wing Commander startete am 12. März 1999 in den Vereinigten Staaten und kam am 23. Dezember 1999 in die deutschen Kinos. Bei einem geschätzten Budget von 30 Millionen US-Dollar spielte er in den USA nur 11.578.059 US-Dollar ein und ist ein kommerzieller Flop. Ein Schicksal, das viele Videospiele als Film ereilen sollten.

Survival Horror funktionierte
Erfolgreich als Videospiel waren Doom und auch Alone in the Dark. Nicht nur die Präsentation, sondern auch die Art der angsteinflößenden Handlung und Atmosphäre wurde in etlichen Spielen kopiert und bildete sogar das eigene Subgenre Survival Horror. Bekannt wurde das Genre schließlich vor allem durch die Resident-Evil-Reihe. Und hier funktionierte dann auch die Kino-Umsetzung sehr erfolgreich. Ebenso gut lief die Verfilmung von Silent Hill, der 401 Millionen US-Dollar in sechs Wochen einspielte.

86-66-96 und 86-61-89
Das waren die Maße von Lara Croft. Tomb Raider ist ein Adventurespiel und der erste Teil der preisgekrönten Tomb Raider-Reihe. Das Spiel wurde von Core Design entwickelt und von Eidos Interactive veröffentlicht. Tomb Raider erschien im Winter 1996 für den Sega Saturn, vier Wochen später dann auch für den PC und die Playstation. Das neue: Die Figur hatte nicht nur entsprechende Maße, sondern auch eine Persönlichkeit
Die besonders gelungene Mischung aus Action und Adventure (Geschick, Kämpfen, Waffen und Rätsel lösen) ist der Grund, weshalb die Spiele so erfolgreich sind. So verkauften sich die ersten beiden Teile zusammen 15 Millionen Mal. Und die beiden Kinoverfilmungen Lara Croft: Tomb Raider (2001) und Lara Croft: Tomb Raider – Die Wiege des Lebens (2003) mit Angelina Jolie als Lara Croft machten Kasse. Das Einspielergebnis des ersten Teils lag bei knapp 48 Millionen US-Dollar am ersten Wochenende. Es war lange Zeit die erfolgreichste Umsetzung eines Videospiels auf der Kinoleinwand. Es kam 2018 zu einem Reboot. Tomb Raider ist ein Abenteuerfilm von Roar Uthaug mit Alicia Vikander als Lara Croft.

Prince of Persia als Gamesverfilmung
Prince of Persia ist eine Reihe von Computerspielen. Das ursprüngliche Spiel wurde 1989 von Brøderbund für Personal Computer veröffentlicht und setzte neue Maßstäbe im Bereich der Spiele.Die Disney-Produktion Prince of Persia ist die erfolgreichste Gamesverfilmung. Bis heute spielte das Fantasy-Abenteuer mit Jake Gyllenhaal in der Haupt- und Ben Kingsley, Alfred Molina und Gemma Atterton in den Nebenrollen ganze 300 Millionen US-Dollar weltweit ein.

Jetzt wird sich zeigen, ob Pokémon: Meisterdetektiv Pikachu in die Fußstapfen der erfolgreichen Gamesverfilmungen treten kann. Ich bin sehr neugierig, wie euch der Film im Scala gefällt.
Im Herbst 2019 kommt die nächste Verfilmung. Sega beziehungsweise Paramount Pictures haben Teaser-Bildern zu Sonics erstem Kinoabenteuer veröffentlicht. Jetzt kam sogar ein Trailer mit Sonic, der anders aussieht als im Videospiel. Warten wir mal ab.

Auf Wiedersehen und Film ab im Scala,
Euer Matthias vom Scala-Kinematograph

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