Scala setzt auf Anime-Filme

Kennt ihr noch die Zeichentrickserie Heidi aus dem Jahr 1974? Damit kennt ihr einen Anime-Klassiker aus der Feder von Isao Takahata, einem der großen Anime-Regisseure. Anime-Filme sind im Grunde japanische Zeichentrickfilme und sie sind heute erwachsen geworden. Zahlreiche Klassiker haben es auf die Kinoleinwand geschafft. Und auch das Scala-Kino in Fürstenfeldbruck zeigt in loser Folge verschiedene Anime-Filme wie My Hero Academia: Two Heroes am 26. März.

Klassiker im Anime-Genre
Anime-Filme kommen aus Japan und die Insel dreht massenweise ihre Version von Zeichentrickfilmen. Viele von ihnen spiegeln die asiatische Kultur wider. Sie haben westliche Regisseure massiv beeinflusst. So würde es Pixar-Filme nicht ohne Animes geben.
Da stellt sich die Frage, welche Animes aus der Flut der Filme man unbedingt gesehen haben sollte. Für mich gibt es vier absolute Klassiker: Akira, Ghost in the Shell, Mein Nachbar Totoro und natürlich Your Name.

Manga und Anime - eine perfekte Symbiose.
Manga und Anime – eine perfekte Symbiose.

Akira
Als ich Ready Player One von Steven Spielberg im Scala Kino sah, war ich von dem roten Motorrad in der Anfangssequenz extrem begeistert. Das Motorrad stammt aus dem Film Akira. Akira war anders als die meisten Zeichentrickfilme seiner Zeit und gehört heute zu den großen Klassiker des Genres. Akira ist ein Anime-Kinofilm von 1988 und die Verfilmung des gleichnamigen Mangas. Aus dem Film wiederum entstanden drei Videospiele. Der Science-Fiction- und Actionfilm spielt im Jahr 2019 in einem nach einer atomaren Explosion wieder aufgebauten Tokio. Kaneda und Tetsuo, jugendliche Mitglieder einer Motorradgang, werden in politische Machtkämpfe und in ein militärisches Forschungsprojekt verwickelt. Das Projekt erforscht Menschen mit übernatürlichen Fähigkeiten, die auch Tetsuo durch einen Unfall erwirbt und die viele Jahre zuvor zu einer Explosion in Tokio führten.

Ghost in the Shell
Einige von euch haben sicher Ghost in the Shell als Realverfilmung gesehen. 1995 wurde der legendäre Manga von Masamune Shirow als Anime auf die Leinwand gebracht. Die Geschichte dreht sich um Menschlichkeit, um die Seele und um das Menschsein an sich. Der Realfilm Ghost in the Shell mit Scarlett Johansson aus dem Jahre 2017 hatte seine stärkste Wirkung, wenn er sich nahe an die Anime-Verfilmung von Mamoru Oshii hält. Regisseur Rupert Sanders kopiert in vielen Einstellungen den Zeichentrick und wird schwächer, wenn er eigene Wege geht. Schon die Erschaffung von Hauptdarstellerin Major entspricht fast 1:1 der Zeichentrick-Vorlage. Bild für Bild übernahm der Spielfilm die Anime-Vorlage. Das zeigt, welche enorme Wirkung der Anime hatte.
Der Kurzinhalt: Im Jahr 2029 sind viele Menschen Cyborgs, die ihren Körper ganz oder teilweise durch künstliche Implantate ersetzt haben. Sogar das Gehirn lässt sich bis auf einige wenige Zellen durch ein sogenanntes Cyberbrain ersetzen. Verpackt in einer Biokapsel (der sogenannten Shell) stecken in jedem Cyborg menschliche Gehirnzellen mit seinem Geist (Ghost), der Identität und seiner Persönlichkeit.

Mein Nachbar Totoro
Bisher habe ich eine Vielzahl der Filme von Hayao Miyazaki gesehen und er hat mit seinem Studio Ghibli enormen Einfluss auf den Animationsfilm und ist für mich der wahre Vater von Anime. Filme aus dem Studio Ghibli sind Pflicht für Filmfans. Jeder Kreative von Pixar, den ich bisher gesprochen habe, fühlte sich von Hayao Miyazaki beeinflusst. In Pixars Toy Story 3 tritt sogar Totoro auf. Miyazakis Werk ist enorm bedeutend. Wenn bei dem Namen Hayao Miyazaki nicht der Groschen sofort fällt, dem sei nur die Anime-Serie Heidi genannt. Hier arbeitete Hayao Miyazaki 1974 als Zeichner für die 52 Teile mit. Die Zeichentrickserie Heidi war ein TV-Renner meiner Jugend.
Der Film Mein Nachbar Totoro kam am 16. April 1988 in die Kinos. Da ich mit dem Werk des großen japanischen Künstlers etwas vertraut bin, erkannte ich die wiederkehrenden Motive. Die alte Kultur Japans in der Gegenwart, die Umwelt und Natur – hier natürlich in der wunderschönen Figur des Baumgeistes Totoro und seiner Familie.
Totoro ist ein gemütlicher Baumgeist, der nur von Kindern gesehen wird. Der große Totoro lässt Bäume wachsen und ist ein guter Kerl. Er ist uns sofort in seiner Art sympathisch. Und auch die Buskatze oder Katzenbus ist eine wunderbare Idee. Sie fährt mit ihren zwölf Beinen die menschlichen Kinder schnell von Ort zu Ort. Der Film ist einfach stimmig und ist geeignet für die ganze Familie. Seine Erzählweise ist geradlinig. Die Figuren haben Charakter und besonders die Welt aus Kinderaugen ist sehr eindringlich gezeichnet. Er begeistert – was kann ein Film mehr leisten?
Allerdings aufgepasst bei der deutschen Synchronisation: Das Mädchen im Film heißt im japanischen Original Satsuki, in der deutschen Fassung dagegen Saki. Das ist nicht weiter schlimm.  Etwas stutzig dagegen hat mich das Gebet an den Kinderschutzgott Jizō gemacht, der in der deutschen Fassung Jesu heißt. Das passt nicht.

Death Note - hier als Cosplay
Death Note – hier als Cosplay

Your Name
Your Name – Gestern, heute und für immer (im japanischen Original: Kimi no Na wa) von 2016 ist der erfolgreichste Animationsfilm der Kinogeschichte. Gedreht wurde er von Makoto Shinkai. Es ist ein klassisches Coming-of-Age-Drama und zeigt die Probleme Jugendlicher mit Identitätskrisen und das Spiel mit Geschlechterrollen sowie Zeitbrüchen. Was als lockeres Teenangerkino beginnt, entpuppt sich als anspruchsvolle Kinounterhaltung in verschiedenen Erzähl- und Zeitebenen. Wer die Möglichkeit hat, sollte sich diesen Film in Ruhe ansehen und ihn genießen. Die Motive des Körpertausches und der Suche nach der eigenen Identität gehört zum japanischen Kino. Schon der legendäre und in Japan sehr verehrte Regisseur Hayao Miyazaki (siehe oben) hat mit seinem Film Chihiros Reise ins Zauberland das Thema aufgegriffen. Wer also glaubt, dass sich der Anime-Film nicht vom Niveau von Heidi gelöst hat, irrt sich komplett. Anime-Filme sind eine unterschätzte Kunstform, die es noch zu entdecken gilt. Daher bin ich dem Scala-Kino für die Initiative dankbar, die Anime-Reihe in Fürstenfeldbruck fortzusetzen.


Wiedersehen auf der Animuc
Im Klosterareal Fürstenfeld wird am 26. April die größte Anime-Veranstaltung in Oberbayern stattfinden: Die Animuc. Hier wird das Scala die Veranstaltung sicherlich begleiten. Die Animuc ist eine Convention für Fans von Anime und Manga. Dieser Blog wird sich dann rechtzeitig auch um diesen Themenkomplex drehen und detaillierter auf die einzelnen Genres des Anime-Films eingehen. Ich freue mich schon darauf.

Auf Wiedersehen und Film ab im Scala,
Euer Matthias vom Scala-Kinematograph


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