Warum ich das Kino so liebe

Die Zahlen des vergangenen Jahres sprechen eine deutliche Sprache. „Das Kinojahr 2018 war schlecht, da gibt es nichts zu beschönigen,“ so Peter Dinges von der Filmförderungsanstalt FFA. 17 Millionen weniger Ticketverkäufe waren es im Vergleich zu 2017. Dies entspricht knapp 14 Prozent Rückgang und Umsatzeinbußen in Höhe von mehr als 150 Millionen Euro. Dabei ist das Kino doch so eine schöne Welt.

2018 war für die Kinobranche ein historisches Negativjahr. Laut FFA wurden deutschlandweit nur 105,4 Millionen Tickets verkauft. Was bedeutet das für die Kinobetreiber? Die Verantwortlichen im Scala müssen den Markt genau beobachten und die Filmauswahl bewusst treffen. Zuschauermagnete wie Avengers: Endgame oder Star Wars IX ziehen viele Zuschauer ins Kino. Und gleichzeitig achtet das Scala auf Kultur, wie beispielsweise die Übertragung der Bayreuther Festspiele im August diesen Jahres, und bedient mit Kinderkino oder Seniorenkino besondere Zielgruppen.

Streaming-Begeisterung
Der Grund für die Probleme der Kinos liegt auf der Hand: Die Zuschauer bleiben zu Hause und setzen auf Streaming-Dienste: Netflix und Co sind die großen Gewinner. Der Umsatz von Netflix lag laut Statista 2018 bei umgerechnet 13,4 Milliarden Euro. Apple hat im März einen Streaming-Dienst angekündigt. Es ist eine zunehmende Streaming-Begeisterung festzustellen.
Das Kinosterben in Deutschland ist dabei keine Neuigkeit. In den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts kam es zu einem ersten Niedergang durch das Fernsehen. Die Zuschauer blieben bei Bier und Chips lieber zu Hause auf dem Sofa. Das setzte sich in den achtziger und neunziger Jahren fort, als zu Hause der Videorekorder und später der DVD-Player einzog. Die Antwort waren Multiplex-Kinos, die vor allem in den Innenstädten ein jugendliches Publikum anzogen. Die aufkommende 3D-Stereoskopie-Technik mit faszinierenden Erlebnissen halfen in der Durststrecke.

Steven Spielberg greift Netflix an
„Das Kino, wie ich es kenne und liebe, ist am Ende seines Weges angekommen“, sagte Martin Scorsese im Dezember 2018 beim Filmfestival in Marrakesch. Auch Regiealtmeister Steven Spielberg mischt sich ein. Er fordert: „Keine Oscars mehr für Netflix-Filme!“ Wie im Scala-Blog berichtet, war „Roma“ einer der Abräumer bei den diesjährigen Oscars. Roma ist allerdings eine Netflix-Produktion und wurde nur in ein paar Kinos gezeigt, um an dem Oscar-Zirkus teilzunehmen. Laut Spielberg gehören Netflix-Produktionen zu den Emmys, die Fernsehproduktionen auszeichnen. Spielberg: „Ich glaube nicht, dass Filme, die weniger als eine Woche im Kino laufen, sich für die Oscar-Nominierungen qualifizieren sollten. Aber Fakt ist, wenn du einem Fernsehformat verpflichtet bist, bist du ein Fernsehfilm.“
Die Antwort von Netflix kam umgehend: Mittlerweile hat sich Netflix zu Steven Spielbergs Forderungen geäußert: „Wir lieben Kino. Und hier sind noch ein paar andere Dinge, die wir lieben: Zugang für Menschen, die es sich nicht immer leisten können, oder deren Städte keine Kinos haben. Jeden, immer und überall an neuen Erscheinungen teilhaben zu lassen. Regisseuren mehr Möglichkeiten geben, ihre Kunst zu teilen. Diese Dinge schließen sich nicht gegenseitig aus.“

Kinosterben in München
In München gab es im Januar einen Aufschrei. Das wohl älteste Münchner Kino, das Gabriel-Filmtheater aus dem Jahr 1907 soll schließen. Parteien setzen sich für die Rettung ein, mal sehen, was daraus wird. Jetzt hat das Kino im April seine Pforten geschlossen. In Fürstenfeldbruck gab es zu meiner Jugend noch einige Filmtheater wie das Capitol, die Amperlichtspiele, das Kino im Fliegerhorst und das Lichtspielhaus. Das Lichtspielhaus wurde wiederbelebt, das Scala ist eine Neugründung im Brucker Westen.

Warum ich Kino so mag
Kino ist für mich ein Raum der Träume. Der Kinosaal ist ein magischer, fast sakraler Raum. Sessel und Leinwand, Boxen und ein Projektor – mehr braucht es für die Magie nicht. Früher gehörte das Knattern der Filmprojektoren dazu, heute läuft es eben digital, aber die Magie des Kinos ist geblieben. Sobald man sich als Zuschauer in die Sessel niedergelassen hat, beginnt der Zauber zu wirken. In Erwartung lehnt man sich in den Sessel, den Blick nach vorne gerichtet.
Dann wird das Licht dunkler. Die Vorfreude, die Konzentration auf das Lichtspiel beginnt. Gut, dass das Scala keine Werbung zeigt. Ein paar Trailer sorgen für den Überblick, was als nächstes in diesem Theater zu sehen sein wird. Dann wird es komplett dunkel. Der Hauptfilm startet. Die Magie beginnt zu wirken.

Im Kino hat das Handy Pause
Für mich ist das Kino ein so genannter dritter Ort. Es ist nicht Arbeitsstelle, es ist nicht Zuhause – es ist dazwischen. Kino ist für mich der Ort zum Träumen. Kino ist auch der Ort, an dem das Smartphone eine Auszeit hat. Kein Blick auf den kleinen digitalen Diktator in meiner Jackentasche. Ich kann mich zurücklegen und mich mit den Ideen großer und kleiner Filmemacher verzaubern lassen. Kino mit den Filmen meines Geschmacks ist ein Versprechen für zwei Stunden große Gefühle – auf Spannung, Unterhaltung, Humor, Liebe und Schmerz.

Und warum gehst du gerne ins Kino? Ist es der Ort für ein erstes Date? Ist es der Ort zum Knutschen mit dem Schwarm? Ich freue mich auf eure Kommentare.

Auf Wiedersehen und Film ab im Scala,
Euer Matthias vom Scala-Kinematograph

Eine Antwort auf „Warum ich das Kino so liebe“

  1. Handyfreie Zone? Leider schon lang nicht mehr, immer mehr Kinobesucher verspüren scheinbar auch während der angeblich wirkenden Magie permanent den Drang per Social Media oder WhatsApp alle Freunde, Bekannte, Follower und was weiß ich wen noch alles über die aktuelle Aktivität auf dem laufenden zu halten…

    Des Weiteren kann von echter Magie leider nicht die Rede sein, bringen mich 65″ und eine Soundbar doch dem Filmerlebnis bei weitem näher als es so manches „hochmoderne“ Kino heutzutage vermag, das SCALA ist hier leider keine Ausnahme, denn wenn sich im Saal kaum jemand traut zu atmen weil bei so geringer Gesamtlautstärke jeder der anwesenden jeden Atemzug mitbekommt sollte man anfangen sich Gedanken zu machen.
    Bildqualität schwankt leider auch stark von Kino zu Kino, viele sind nicht mehr auf dem Stand der Technik, von daher kann ich sehr gut nachvollziehen wieso man es sich mittlerweile lieber im Heimkino bei BlueRay oder Streaminganbieter wirklich bequem macht…

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